Wegführer, 2005

Projekt: „romantische Parasiten “, Gars am Kamp

Schlichte Pfeile dienten als Wegführer, die ich in dem gesamten Ort Gars am Kamp in einer Nacht aufgehängt hatte. Sie führten zum eigentlichen Ausstellungsort, dem Bruhl Areal, wovon ein Teil früher eine Beton-Fabrik gewesen ist und dessen Größe mit vielen Biennale-Geländen vergleichbar war. Insofern dienten die plötzlich über Nacht aufgetauchten Pfeile für die von außerhalb kommenden Besucher tatsächlich als Orientierung inmitten des Dorfes und auf dem riesigen Gelände, für die Bewohner des ländlichen Ortes stellten die roten Objekte jedoch viel eher Störenfriede dar. Sie irritierten die Menschen und wurden gar als Provokation aufgefasst. Interessant daran war, dass das Publikum dann, wenn es ortsfremd war, den Objekten tatsächlich Sinn verlieh, indem sie diese als Wegweiser interpretierten und auch aktiv benutzten. Für die Bewohner waren diese jedoch oft nur fremde Dinger. Für sie stellten die Pfeile einen Eingriff in ihren Wohnort dar, der nicht etwa als öffentlicher Raum und insofern als bespielbar empfunden wurde, sondern immer auch als ein persönlicher, ein sozial-privater Raum oder gar als ihr Privatbesitz. Durch diese unterschiedlichen Reaktionen des Publikums hatte sich somit die Arbeit je nach lokaler Zugehörigkeit des Publikums verändert.

(english)

Simple arrows, installed at night all over the city served as markers. They led to the actual exhibition site, the Bruhl Areal, formerly a concrete factory, at least in part, and of a size comparable to many biennale areas. In this respect, the arrows, suddenly appearing overnight, did indeed serve as pointers for non-local visitors within the village and the huge plot. Inhabitants of the rural area, however, perceived the red objects as rather annoying. They confused them and were even perceived as a provocation. It was interesting to see that the audience bestowed meaning on the objects by interpreting them as signposts and using them accordingly. The locals often only saw them as foreign objects. They interpreted the pointers as an incursion into their town, which they did not perceive as public space and thus open to be used in this way, but much rather as a social-private space or even private property. the work was altered due to thesediffering reactions, depending on the local affiliation of the audience.

(Veröffentlicht in; Playing the City Interwiews, ISBN 978-1-934105-95-5, Seite 193)